GEDANKEN

Jesus ist ein gefragter Mann. Die Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus in dessen Haus in Kafarnaum führt dazu, dass Jesus am Abend alle Hände voll zu tun hat, von Krankheiten zu befreien und Dämonen auszutreiben.
Jesus zieht alles Elend an sich. Sein Erbarmen ist seine Mitte, und doch will sich Jesus seiner Mitte immer neu vergewissern, im Gespräch mit dem barmherzigen Gott.
Jesus mahnt seine Jünger zum Aufbruch. Er soll allen die Heilsbotschaft bringen. Ein Anrecht auf ihn haben alle, einen Besitzanspruch hat niemand. Alle suchen ihn, alle brauchen ihn. Ihm nachfolgen werden nur wenige. Wer wird ihn verstehen …
In seiner betenden Einheit mit dem Vater weiß er, dass alles vorherbestimmt ist. Der Plan Gottes geht auf. Gottes Heil sucht die Welt, es bringt allen Erbarmen. Auch dir und mir.

ZUM NACHDENKEN

Die Klage als Gebet? Das ist ein kühner Gedanke. Viele Jahrhunderte lang jedenfalls war er im real existierenden Christentum verpönt. Sich bei Gott beklagen? Gar Gott anklagen? Was für eine Anmaßung! Wo denkst du hin? Wer bist du denn, du kleines Menschlein?
Und doch. Die Bibel lehrt uns beten, in Lobpreis und Dank, aber auch in der Klage und in der Anklage. Denken wir nur an die ergreifenden Klagen des biblischen Psalters. Das Gespräch mit Gott nicht abreißen lassen. Das ganze Leben vor Gott tragen und nicht nur die vermeintlich ansehnlichen Tage ins Wort bringen, nicht bloß die Schauseite unseres Lebens ausstellen. Was für ein lächerliches Unterfangen wäre das auch. Gott ist ja nicht nur mein Gegenüber, nicht nur der Andere, der schlechthin Andere, sondern Gott ist mir auch innerlicher als mein Innerstes, wie es der heilige Augustinus sagt. Dank und Lob, Jubel und Klage, Anklage und Streiten – mit Gott! Wer bin ich denn? Ja, wer sind wir denn? Gottes geliebte Kinder, geschaffen männlich und weiblich, und nach seinem eigenen Bild.

In dir wohnen heißt leben

Gott,
von dir sich abwenden
heißt fallen;

zu dir sich hinwenden
heißt aufstehen;

in dir bleiben
heißt festen Bestand haben.

Gott,
dich verlassen
heißt sterben;

zu dir nach Hause kommen
heißt zu neuem Leben erwachen.

In dir wohnen heißt leben.

Aurelius Augustinus